Oktober 2016

Oktober 2016: Der Louisianische Gemshorn (Proboscidea louisianica)

Der Louisianische Gemshorn (Proboscidea louisianica)

Der Louisianische Gemshorn (Proboscidea louisianica) gehört zur relativ kleinen Familie der Gemshorngewächse. Die Familie kommt ausschließlich in Nordamerika vor und ist im Botanischen Garten innerhalb des Systems zwischen den Ölbaumgewächsen und den Nachtschattengewächsen zu finden.

Bei der Gemshorn handelt es sich um kriechende, meist einjährige Pflanzen der nordamerikanischen Prärie. Dort weideten vor Ankunft der Europäer riesige Tierherden. Der Gemshorn hat sich mit seiner Frucht an diese Tiere angepasst: Zur Fruchtreife spreizt sich ein hakenförmige Fortsatz der Frucht in eine Art Zange. Treten Tiere mit der passenden Fußgröße dort hinein, dann verklemmt sich die Zange im Fuß und die Frucht, eine Kapsel, wird fortgeschleppt und entläßt portionsweise seine Samen. Laut einer Theorie waren die eigentlichen Fruchtausbreiter die nordamerikanischen Riesenfaultiere, die allerdings bereits mit der letzten Eiszeit ausgestorben sind.

alle Bilder W. Teschner

Eine weitere Besonderheit der Pflanze offenbart sich erst bei genauem Hinsehen. Die gesamte Pflanze ist dicht mit kleinen Drüsenhaaren besetzt. Diese Haare fühlen sich sofort recht glitschig an. Kleine Insekten bleiben an diesen Haaren kleben, können sich nicht mehr befreien und sterben. Bakterien und Pilze zersetzen die Insekten und es wird diskutiert, inwieweit die Pflanze die dabei freiwerdenden Nährstoffe aufnehmen kann. Jedenfalls zeigt der Gemshorn die ersten evolutionären Ansätze in Richtung Karnivorie.

Die bis zu 5 cm großen, tiefvioletten Blüten haben ein auffälliges, gelbes Nektarmal und werden von Hummeln bestäubt. Je nach Witterung blüht die Pflanze bis in den Oktober hinein.

letzte Änderung: 06.10.2016