Februar 2015

Viscum album

Die Vögel, die bei uns überwintern und nicht in den wärmeren Süden wandern, sind in der kalten Jahreszeit auf das Wenige noch verbliebene Futter in der Natur angewiesen. Die heimische Mistel (Viscum album) bietet genau zu dieser Zeit ihre weißen Beeren an. Manche Früchte sind sogar noch bis zum Frühlingsanfang auf der Pflanzen zu finden.

Die Mistel ist ein Halbparasit. Sie ist zwar in der Lage, mit Hilfe von Wasser, Licht und Sonnenlicht Fotosynthese zu betreiben, kann aber nicht selbständig Wasser und Nährsalze aufnehmen. Diese klaut sie ihrer Wirtspflanze. Bereits kurz nach der Keimung bohrt sie ihre Wurzeln in den Ast eines geeigneten Baumes. Ihr Wurzelsystem verschmilzt praktisch mit ihrer Wirtspflanze und entnimmt ihr die benötigten Stoffe. Ist die Mistel sehr groß geworden, kann es sein, dass für das hinter der Ansaugstelle befindliche Astsystem dann nicht mehr genug übrig bleibt und er abstirbt.

Unter natürlichen Bedingungen sind ein paar Misteln für den Wirt kein Problem. In unseren ausgeräumten Landschaften gibt es jedoch ein interessanten Problem: oftmals stehen nur wenige Bäume oder kleine Baumgruppen inmitten einer Ackerwüste. Nur hier finden Vögel Schutz und bringen mit ihrem Kot die Mistelsamen mit. So konzentrieren sich ganz viele Misteln auf wenige Bäume, die dann übermäßig stark mit Misteln bewachsen sind. Ein solch dichter Bewuchs kann dann auch für den Baum eine lebensbedrohliche Situation werden. Gut zu sehen ist das von der Autobahn A9 aus wenn man Richtung Berlin fährt. Da sieht man gerade zur laubfreien Zeit besonders dicht mit Misteln bepackte Pappeln.

In Städten sind Misteln nur sehr selten zu finden, denn sie reagieren recht empfindlich auf Luftverschmutzung. Im botanischen Garten kultivieren wir ein weibliches Exemplar hinter dem Inspektorenhaus. Das männliche ist letztes Jahr zusammen mit seinem Wirt, einem Apfelbaum, leider gestorben.

letzte Änderung: 06.10.2016